Das Leben des Galilei
nach Bertold Brecht

Der einzige Zweck der Wissenschaft besteht darin,
dem Menschen die Bürde seines Daseins zu erleichtern...


Galileo Galilei (8 KB)Galilei, Galileo: Ital. Mathematiker und Philosoph, geb in Pisa am 15.2.1564, gest. in Arcetri bei Florenz am 8.1.1642. G., der als Mathematikprofessor in Pisa, Padua und Florenz tätig war, geriet wegen seines Eintretens für das kopernikanische (heliozentrische) Weltbild in Konflikt mit der kath. Kirche, die am geozentrentrischen Weltbild des Aristoteles festhielt (und G. erst 1993 offiziell rehabilitierte). Der 1632 in Florenz erschienene "Dialogo" (Gespräch über das ptolemäische und kopernikan. Weltsystem) führte zum Prozeß der Kurie gegen G., der am 22.6.1633 mit seiner Abschwörung und Verurteilung zu unbefristetem Arrest in seinem Landhaus bei Florenz endete.

© Harenberg Kompaktlexikon, Dortmund 1996



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Vladimir Vysotsky (7 KB)Es gibt da diesen magischen Begriff - "Vorstellungskraft". "Stellen Sie sich vor...", heißt es zu Anfang eines Stücks, und der Zuschauer geht der Aufforderung gerne nach. Nehmen wir die Rolle des Galileo Galilei. In "Das Leben des Galilei" von Brecht spiele ich den bereits 70-jährigen Wissenschaftler ohne Maske, d.h. ohne mir zuvor Bart und Perrücke ankleben oder Falten ziehen zu lassen. Ich spiele die Rolle mit meinem eigenen Gesicht, außerdem verzichten wir auf jegliche Dekoration. Niemand errichtet auf der Bühne Genueser Plätze oder Venezianische Paläste, wo ja die eigentliche Handlung stattfindet. Nichts dergleichen. Es gibt nur ein Tor. Ein Tor, das sich in Richtung des Publikums öffnet und mich hindurchlässt mit meinen einleitenden Versen und Liedern und auf diese Weise einen direkten Kontakt mit den Besuchern ermöglicht. Danach gehe ich erneut hindurch und befinde mich mitten in der Handlung. So ist es bei vielen unseren Aufführungen - Sie sehen keine Dekorationen im eigentlichen Wortsinne, jedoch immer eine poetische Methapher, die sich aus der ganzen Aufmachung erschließt. Es gibt immer ein Symbol.
Dieses Stück ist sehr eigen - es hat gleich zwei finale Stellen. Die erste:Werbeplakat des Taganka-Theaters (5 KB) Hier ist ein Galilei, den es absolut nicht interessiert, was passiert ist, den es überhaupt nicht trifft, daß die Wissenschaft durch seine Abschwörung großen Schaden genommen hat. Und das zweite Finale - das ist ein Galilei, der sehr gut begreift, welch großen Fehler er begangen hat: Er widerrief seine eigene Lehre und warf damit die Wissenschaft um Jahre zurück. Den letzten Monolog spreche ich in der Person eines alten, jedoch völlig gesunden Mannes; er ist bei vollem Besitz seiner geistigen Kräfte und gibt sich schonungslos Rechenschaft darüber, was er angerichtet hat.
Übrigens gibt es in diesem Zusammenhang ein interessantes Detail: Brecht hat diesen zweiten Monolog erst später hinzugefügt. Die Sache ist die: Das eigentliche Stück schrieb er vor 1945, und als Hiroshima von der Bombe zerstört wurde, setzte er sich hin und fügte eine ganze Seite hinzu - den Monolog über die Verantwortlichkeit des Wissenschaftlers für seine Arbeit, für die Wissenschaft überhaupt, dafür, wie die ein oder andere Erfindung genutzt wird.
Am Ende die folgende Szene: Musik ertönt und es kommen Kinder herein, Kinder mit Globen in den Händen und sie drehen diese Kugeln vor den Zuschaern, so als wollten sie symbolisieren, daß die Erde sich ja doch dreht. Übrigens eine Phrase, die man Galilei zuschreibt - er soll das kurz vor seinem Tod gesagt haben.
Vladimir Vysotsky
Biographieto page 1 of biography to main pageVysotsky as Hamlet in a play by W. Shakespeare"Hamlet"